eingetragen am: 07.12.2011 um 19:43 Uhr, Alter: 165 Tag(e)

zur Korrektur und objektiven Bewertung der Bilanz der Bürgerinitiative Pro Elbe

Magdeburger Volksstimme vom 28.11.2011   -Interview mit Frau Dr. Angela Stephan anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Bürgerinitiative Pro Elbe -

Lothar Tölle

in der Volksstimme

Es sei der Bürgerinitiative „pro elbe“ gegönnt, dass die Magdeburger Volksstimme deren Sprecherin, der Anästhesie-Ärztin Frau Dr. Stephan, kürzlich eine wertvolle halbe Seite in ihrem vielgelesenen Lokalteil zum Thema Elbe gewidmet hat. Es steckt ja durchaus viel Arbeit darin, eine solche Initiative ständig in Gang zu halten, wofür oder gegen wen auch immer. Der von Frau Dr. Stephan verkündeten Bilanz dieser Bürgerinitiative muss allerdings einiges zur Korrektur und zur objektiven Bewertung entgegengehalten werden. So ist es zum Beispiel total irreführend, wenn sie meint, heute würden nur noch 1,1 Millionen Tonnen dort transportiert, wo vor 1990 rd. 18 Millionen Tonnen transportiert worden wären. 2010 z.B. wurden durch die Binnenschifffahrt auf der Elbe  insgesamt rd. 16 Mio Tonnen transportiert,  und oberhalb von Magdeburg - was sie eigentlich meinte, aber nicht gesagt hat- waren es vor 1990 in der Regel zwischen 3 bis 5 Mio Tonnen. Dies strebt man auch wieder an und wird es angesichts des ständig steigenden Containerverkehrs auch eines nicht allzu fernen Tages wieder erreichen und sogar übertreffen, trotz aller Unkenrufe der Bürgerinitiativen und ihrer Hintermänner und –frauen und deren Diffamierung der „ewig gestrigen“ Schifffahrtsbefürworter, zu denen ich mich bekennenderweise als langgedienter Wasserbauingenieur wohl auch zählen muss. Und dann ihre seltsame Behauptung zum  jeweils angeblichen volkswirtschaftlichen Anteil von Tourismus und Landwirtschaft ohne jede konkreten Vergleichs-Werte, was aber typisch für viele der einfach in den Raum gestellten Thesen dieser Leute zu sein scheint. Sie irrt übrigens auch von vornherein, wenn sie  behauptet, die Elbe soll zu einer Wasserstraße ausgebaut werden, denn dies ist sie bereits seit langem, wie fast jeder weiss.

Es ist zwar einerseits erfreulich, dass sich heutzutage jeder Laie zu jedem Thema öffentlich äußern kann, wird aber sehr bedenklich, wenn dies mit einfachen unbewiesenen Parolen nur einer diffusen „Meinungsmache“ dient. Da werden völlig unbegründete Ängste geschürt , indem  beispielsweise jahrelang die Vorstellung erzeugt wurde, als wolle man die Elbe ausbetonieren, oder als ob unser geliebter Magdeburger Dom ins Wackeln käme, wenn am sogenannten Domfelsen, auf dem der Dom in Wirklichkeit gar nicht steht, gefräst oder gesprengt wird, was schon hundert Jahre vorher nie ein Problem war usw.usf.  Mit derartigen emotionsträchtigen Behauptungen versucht man natürlich auch ständig, schlecht informierte und wankelmütige Politiker von der Sinnlosigkeit der Elbe-Schifffahrt zu überzeugen.

Das gleiche gilt für das kleine Stückchen Saaleseitenkanal, welches mit relativ bescheidener Investitionssumme sowohl der Saaleschifffahrt langfristig wieder eine große Perspektive geben würde und gleichzeitig eine beispielhafte Aufwertung des gesamten Naturraums an der bisherigen Saalemündung ermöglicht. All dies wird ständig mit phrasenhaften Behauptungen unter den Tisch gekehrt oder angeblich widerlegt. Und 40 Millionen € jährlich für die Unterhaltung der deutschen Elbe sind etwa nur zwei Drittel dessen, was eine vergleichbare zweigleisige Eisenbahnstrecke erfordert, das darf auch mal betont werden, und das, ohne zusätzliche Landflächen zu beanspruchen. Aber so etwas weiss  Frau Dr.Stephan offenbar nicht oder will es geflissentlich nicht zur Kenntnis nehmen. 

Leider haben die Gruppierungen um die Bürgerintiative unter dem Deckmantel eines vorgeblichen Naturschutzes und teilweise sogar unter dem emotional hochtrabenden Stichwort „Bewahrung der Schöpfung“ bisher mit ihrer Zahlen- und Wortakrobatik mehr zur Verunsicherung und Irreführung der Bevölkerung beigetragen als zu einer vernünftigen Aufklärung, die offenbar auch garnicht gewollt ist, denn das würde ihnen vermutlich schnell jeden Nährboden entziehen.

Die Elbe ist nun mal im Laufe der Jahrhunderte vom Naturstrom zum „Kulturstrom“ geworden, was sich auch nicht durch einige Rückdeichungen entscheidend „zurückdrehen“ lassen wird. Aber dieser über Jahrhunderte regulierte Fluss bietet heute sowohl eine weitestgehende Sicherheit für seine Anwohner und wird trotzdem gleichzeitig als besonders schön und immer noch naturnah empfunden. Das ist aber zweifellos der Arbeit der Wasserstraßen- und Wasserwirtschaftsverwaltungen zu verdanken und keineswegs den heutigen „Grünen“ und ihren Bürgerinitiativen. Wenn es vergleichsweise früher auch schon nach derartigen wohlmeinenden kleinen Grüppchen von Dauerkritikern gegangen wäre, gäbe es sicherlich bis heute in Deutschland nicht einmal die  Eisenbahn.

Man fragt sich letzten Endes, welche Leute denn nun wirklich die „ewig gestrigen“ sind !

Magdeburg, 30.11.2011
Lothar Tölle
39112 Magdeburg