eingetragen am: 21.02.2012 um 07:43 Uhr, Alter: 89 Tag(e)
Analyse bescheinigt Elster-Saale-Kanal positive Effekte
Umsetzung kostet 106 Millionen Euro
LVZ online, 21.02.2012
Leipzig. Ergibt es Sinn, das vor über 150 Jahren begonnene Bauprojekt, die Weiße Elster mit der Saale zu verbinden, wieder aufzunehmen und zu vollenden? Ist ein solcher Kanal technisch überhaupt machbar? Diese grundlegenden Fragen zum Potenzial des angestrebten Wasserweges wurden gestern endlich offiziell beantwortet. Im Rahmen des 4. Seenlandkongresses wurde auf der Beach & Boot-Messe die - seit langem abgeschlossene aber bislang unveröffentlichte - Analyse zum Elster-Saale-Kanal vorgestellt.
Für den Tourismus bedeute die Umsetzung einen Quantensprung, erklärte der Hallenser Architekt und Co-Autor Matthias Därr. Landseitig gebe es beispielsweise Potenziale im Radtourismus durch das Anlegen neuer Fahrradwege, noch größere Möglichkeiten seien im Bereich Fahrgastschifffahrt, Flusskreuzfahrten und Motorboot-Nutzung möglich. So geht die Analyse von knapp 3800 neu verkehrenden Motorbooten sowie 20 Charterbooten mit je rund 2500 Kunden pro Jahr aus. Zur Überwindung des Höhenunterschiedes von 22 Metern und als weiterer Anziehungspunkt für Touristen setzt das Papier den Bau eines Schiffshebewerkes voraus, das laut Därr aber ein „spektakuläres" sein muss und „ein Leuchtturm deutscher Ingenieurskunst". Laut Statistik sind solche Bauwerke Touristenmagneten, die zur Aufwertung einer gesamten Region führen.
Därr führte aus, dass durch den Kanal ein jährlicher Nettoumsatz von 18,5 Millionen Euro möglich sei, daneben würden Touristen zusätzliche neun Millionen Euro als Einkommenseffekt in der Region lassen. Der berechnete Ertrag der touristischen Einnahmen beläuft sich auf rund 985 000 Euro pro Jahr. Dem gegenüber stehen allerdings die Unterhaltungskosten von 1,1 Millionen Euro. Dieses Missverhältnis könne ausgeglichen werden, wenn man eine Verpachtung anliegender Grundstücken einbeziehe, so der Leipziger Ingenieur Patrick Wiederanders, ebenfalls Co-Autor der Analyse. Insgesamt müssten für den Bau 106 Millionen Euro in die Hand genommen werden, 38 Millionen allein für das Schiffshebewerk. Acht Millionen Euro würden in Ausgleichsmaßnahmen für den Naturschutz fließen.
Diesbezüglich schlagen die Autoren vor, sich an den ursprünglich geplanten Verlauf zwischen Leipzig-Günthersdorf und dem Ort Kreypau bei Leuna zu halten, da diese Variante „die konfliktärmste Trasse" sei. „So ein Projekt muss heutzutage mit und für die Natur und Landschaft angegangen werden", so Därr. Zu den touristischen kämen zudem regionalwirtschaftliche Effekte. So sei die Kombinationsmöglichkeit mit Draisinenbahnen, aber auch das Potenzial für Feriendörfer oder schwimmende Häuser vorhanden. Außerdem seien Synergieeffekte denkbar, etwa durch regenerative Energiegewinnung.
Über die Umsetzung muss nun politisch entschieden werden. Wie das Projekt letztlich genau finanziert werden soll und wer welche Kosten trägt, muss in weiteren Schritten geklärt werden.
