eingetragen am: 14.02.2012 um 07:38 Uhr, Alter: 96 Tag(e)
Kies-Seen als Abkürzung
Großprojekt Ein Ingenieur schlägt neue Trassenführung für den umstrittenen Saale-Seitenkanal vor. Ministerium lobt, Umweltschützer kritisieren.
mz-web.de 14.02.12, VON TORSTEN ADAM
Der Saale-Seitenkanal soll die Lücke von der Schleuse Calbe bis zur Elbe schließen. In diesem Bereich fließt die Saale stark kurvig und ist damit vor allem für große Transportschiffe kaum nutzbar. Ob der Kanal ökologisch und ökonomisch vernünftig ist, ist indes heftig umstritten.
Ingenieur Jung glaubt, einige Asse im Ärmel zu haben: "Ich schlage vor, die Kies-Seen mit Stichkanälen zu verbinden, saaleseits eine Schleuse zu bauen und diese Wasserwege als Saale-Seitenkanal zu nutzen." Vorbild sei für ihn die Havelregion, wo die Schiffe ebenfalls auf Kanalstücken und Seebereichen fahren. Es müssten keine Deiche gebaut werden und die flachen Ufer würden ökologisch und touristisch aufgewertet. "Die Firmen, die dort Kies abbauen, könnten das Material direkt auf Schiffe verladen und abtransportieren." Eine solche Trassenführung sei ökologisch verträglicher und helfe auch, die Grundwasserprobleme in der Region zu lösen.
Für das Magdeburger Verkehrsministerium haben die Pläne Jungs durchaus Hand und Fuß. "Diese Variante stellt einen gangbaren Weg dar, der weiterverfolgt werden sollte", sagte Ministeriumssprecher Harald Kreibich auf MZ-Anfrage. Das Ministerium werde nun die Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes bitten, vertiefende Untersuchungen vorzunehmen und nach Möglichkeit die neue Variante in der momentan laufenden Wirtschaftlichkeitsprüfung zu berücksichtigen.
Oliver Wendenkampf, Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt- und Naturschutz, spricht hingegen von einer "abstrusen Idee, die weit weg von der Realität ist." Der Vorschlag passe aus seiner Sicht in die Karnevalszeit. Der Bedarf für eine wirtschaftliche Nutzung der Saale sei - egal durch welche Erschließungsvariante - nicht gegeben.
