eingetragen am: 14.02.2012 um 05:13 Uhr, Alter: 97 Tag(e)

Mächtig Auftrieb?

Die Wirtschaft hofft auf Bau des Saalekanals.

mz-web.de  14.02.12 VON TORSTEN ADAM UND ALEXANDER SCHIERHOLZ

Halle (Saale)/Bernburg/MZ. Manfred Sprinzek gibt sich keine Mühe, seine Euphorie zu verbergen: "Jetzt sind wir doch fast am Ziel", frohlockt der Vorsitzende des halleschen "Vereins zur Hebung der Saaleschifffahrt". Bei dem Lobby-Verband der Wirtschaft für den Ausbau der Flusses verspüren sie mächtig Auftrieb, seit der Schönebecker Wasserwirtschaftler Christian Jung eine neue - kürzere und kostengünstigere - Variante für den Saalekanal ins Spiel gebracht hat.

Jung will mehrere Kies-Seen miteinander verbinden und als Trasse nutzen. "Ein Paradies für Wassertouristen entsteht, ähnlich wie man es aus der Havelregion oder der Mecklenburger Seenplatte kennt", sagt er. Es sind bisher freilich weniger Wassersportler als viel mehr Unternehmen, die auf den Kanal pochen. Sie erhoffen sich günstigeren Transport von Massengütern per Schiff. So produziert etwa Solvay in Bernburg jährlich 540 000 Tonnen Soda. Die Hälfte davon könnte nach Werksangaben per Schiff statt Lastwagen zu den Kunden gelangen - auf dem Wasser koste eine Tonne nur etwa halb so viel wie auf der Straße.

Auch der Hafen Halle würde von einer mit einem Kanal durchgängig schiffbar gemachten Saale profitieren: In der für 30 Millionen Euro ausgebauten Anlage hat im vorigen Juni erstmals seit sechs Jahren wieder ein Schiff angelegt. Trotz Gewerbeansiedlungen und dem Umschlag von Containern zwischen Lastwagen und Zug schreibt der Hafen hohe Verluste.

Doch selbst wenn der Kanal gebaut werden würde: Aus Sicht von Umweltverbänden heißt das Problem dann Elbe: Der Fluss, so ihr Argument, führe meist zu wenig Wasser für große Binnenschiffe. Und was nützt eine schiffbare Saale, wenn es auf der Elbe nicht weitergeht?