eingetragen am: 06.01.2012 um 23:54 Uhr, Alter: 47 Tag(e)
Für die kostbaren Auenwälder - Zur Diskussion mit den Bürgerinitiativen „pro elbe“
-Seit zehn Jahren kämpft »Pro Elbe Anhalt« für den Schutz des Stromes
„Glaube+Heimat“, Mitteldeutsche Kirchenzeitung- Ausgabe Sachsen-Anhalt plus Nr. 1 v. 01.01.2012
Der Widerstand gegen Bagger und andere Baumaschinen, die für Binnenschiffe die Natur an der Elbe zurückdrängen, hat seit gut einem Jahrzehnt auch einen Namen: »Pro Elbe«.
Entlang des Flusses gründeten Bürger, Umweltschützer und Pfarrer Initiativen unter diesem Schlagwort. Kräfte gegen die staatlichen Pläne ge¬wissermaßen vor der eigenen Haustür konnten so auch durch die Ende 2001 ins Leben gerufene Gruppe »Pro Elbe Anhalt« mit Pfarrer Dietrich Bunge¬roth gebündelt werden. Das Engagement zum Erhalt des Stromes reicht jedoch bis Anfang der 90er Jahre zurück. Mit an die Spitze hatten sich auch die Kirchen gestellt.
Als 1992 in den Bundesverkehrswegeplan eine »Tauchtiefenverbesserung« aufgenommen wurde, begannen in Coswig, Dessau und Wörlitz Elbegottesdienste zur Bewahrung der Schöpfung. Es folgten Unterschriftensammlungen, Protestaktionen, Synodenbeschlüsse in der Landeskirche Anhalts, anderen Landeskirchen und der EKD.
Ziel der Ausbau-Befürworter ist es, für Binnenschiffe eine Fahrrinnentiefe von 1,60 Metern im gesamten Jahr sicherzustellen. Damit sinkt der Grundwasserspiegel. Aber auch durch neue, weit in die Elbe gebaute Buhnen wird der Fluss schneller, so dass er sich noch tiefer in sein Bett gräbt. Als Folge sinkt das Grundwasser und die kostbaren Auenwälder fallen trocken. ... weiterlesen
Leserbrief an „Glaube + Heimat“- Mitteldeutsche Kirchenzeitung
abgedruckt in „Glaube+Heimat“, Mitteldeutsche Kirchenzeitung- Ausgabe Sachsen-Anhalt plus Nr. 1 v. 01.01.2012
Wenn man die seit nunmehr rund 20 Jahren hin und her wogende Diskussion um und über die Elbe mit Interesse einerseits und darüber hinaus das Auftreten der Bürgerinitiativen seit nunmehr 10 Jahren andererseits mit einer gewissen Fach- und Sachkenntnis verfolgt hat, drängt sich allmählich die Frage auf, warum man nach so langer Zeit bisher keinen tragfähigen gemeinsamen Kompromiss gefunden hat.
Als Befürworter der Elbeschifffahrt sehe ich das Problem überwiegend auf der „Gegenseite“ , wo sich „meine“ evangelische(n) Kirche(n) von vornherein in eine meiner Meinung nach sehr einseitige Allianz mit den Vertretern des BUND und der Grünen begeben haben. Das ist zweifellos ihr gutes Recht, auch wenn sie damit die ihr gemäße Vermittler- oder Moderatorenrolle aufgegeben, um nicht zu sagen, verspielt hat. Darüber können leider auch offiziell anderslautende Ansprüche nicht hinwegtäuschen, solange bei kirchlichen Veranstaltungen zu diesem Thema landauf, landab allzu oft nur Referenten der Protestierer-Seite eingeladen wurden, um mit ihrer teilweise laienhaft einseitigen und dadurch meist irreführenden Darstellungsweise die Zuhörer in ihrem Sinne zu beeinflussen, wie ich es selbst auch mehrfach miterleben musste.
Auch durfte man sich wundern, wieso in dem aktuellen Positionspapier der sieben elbanliegenden Kirchen von 2010 erneut die „…öffentliche Zurückweisung der Forderungen nach einem weiteren Ausbau der Elbe durch Staustufen oder Wehre seitens der Bundesregierung…“gefordert wurde, was schon seit 1992 (!) für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) kein Thema mehr war und eigentlich nur vom BUND und den Grünen immer wieder aufgewärmt wurde.
Nichts gegen die Vertretung bzw. Unterstützung von extremen Minderheits-Meinungen, aber bei einer ergebnisoffenen, unvoreingenommenen und ehrlichen Diskussion muss man schon beide Seiten in gleicher Weise angemessen zu Wort kommen lassen. Oder liegt es an ungenügender Kenntnis wegen mangelnder öffentlicher Aufklärung seitens des Ministeriums oder der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung? Dann sollte vor allem letzteres noch stärker eingefordert und nicht blockiert oder unterdrückt werden. Bleibt also nur zu hoffen, dass man in Zukunft noch viel mehr miteinander redet als übereinander.
Lothar Tölle
39112 Magdeburg
21.12.2011