eingetragen am: 08.08.2013 um 19:12 Uhr, Alter: 6 Jahr(e)

Wiedergeburt der Beskydy

Eifrig wird in der Schiffbauhalle an der BESKYDY gewerkelt und geschweißt. Leider wurde das Schiff auch Anfang Juni 2013 Hochwasseropfer.

MZ Wittenberg

Als am 17. Juni des vergangenen Jahres der letzte Heckradschlepper der Elbe mit dem Namen BESKYDY unter der Anteilnahme von mehr als 500 Dampferfreunden einen Zwischenstopp in Kleinwittenberg einlegte, sah es so aus, als sei es die letzte Fahrt dieses Oldtimers (die MZ berichtete). Als das Schiff dann nach vier Tagen wieder in der Heimatstadt Decin (Tschechische Republik) eintraf, erfuhr man auch, welche Aufmerksamkeit dieser Veteran während seiner Abschiedsreise widerfuhr. Speziell die sporadische Begeisterung in Wittenberg erweckte in Fachkreisen Aufmerksamkeit und es gelang tatsächlich, einige staatliche Dienststellen im Heimatland für den Erhalt dieses Schiffes zu interessieren und dadurch dieses museale Überbleibsel vor dem Hochofen zu retten. Die Unterstützung des sog. harten Kerns der Dampferfreunde, sowohl in Tschechien als auch in Deutschland, war man sich bewusst und was nicht erwartet werden konnte, trat tatsächlich ein.  Die BESKYDY ist übrigens ein Schwesterschiff von der in Berlin als Museumsschiff liegenden JESENIKY. Die tschechische Regierung stellte den Schlepper unter Denkmalschutz und stimmte dadurch dem Erhalt des historischen Gefährtes zu. Auch über die anteilmäßige Beteiligung an den Reparaturkosten wurde eine Einigung erzielt. Diese war auch notwendig, denn von der einstigen Wanddicke von 6 mm waren teilweise nur noch 2 mm vorhanden. Die technische Sicherheit anzuzweifeln und die Betriebsgenehmigung zu entziehen war dadurch schon berechtigt. Nach Klärung von weiteren Detailfragen war es soweit, das Schiff der Schiffswerft in Decin-Kresice zuzuführen, wo es heute noch der Verjüngungskur unterzogen wird.

Der Autor war natürlich neugierig und suchte das Objekt der Begierde, einschließlich der Crew auf und machte sich ein eigenes Bild vom Baufortschritt.

Durch moderne Sliptechnologie auf Rollwagen wurde der komplette Schiffskörper in eine Schiffbauhalle verbracht und liegt heute einen Meter hoch im Trockenen. 90 % sind fertig gestellt, es fehlt nur noch der neue Schiffsboden an der Bugsektion. Schweißer sind dabei, die nun 7 mm dicken und bereits korrosionsbehandelten Schiffbaubleche zu verschweißen

Wie das immer bei solchen Generalreparaturen der Fall ist, wurden aber auch verdeckte Mängel festgestellt, die zwar nicht das gesamte Vorhaben infrage stellen, aber zumindest zeitlich herausschieben, wie eine Überholung der Hauptwelle und der Antriebswelle für das linke Schaufelrad.

Vorgesehen ist, die BESKYDY nicht nur noch für den Schleppbetrieb einzusetzen, sondern auch noch zusätzlich die Zulassung als Personenschiff zu erhalten. Dadurch wird es möglich, das Schiff auch als Passagierschiff zu nutzen. Damit könnte es im nächsten Jahr durchaus möglich werden, die Planungen laufen bereits, das Schiff für einige Tage in Wittenberg einzusetzen und z.B. für Kurzfahrten nach Elster oder Coswig, sowie im Charter für Gruppen zu nutzen. Besonderes Interesse werden bei diesem Vorhaben bestimmt die 2-tägigen Überführungsfahrten von Decin nach Wittenberg und zurück erwecken. Für 15 Passagiere sollen dafür die Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Schiff geschaffen werden.

Wer einen Obolus in Form einer kleinen Spende für den Erhalt des Schiffes übrig hat, der wende sich bitte zur Absprache der Modalitäten an die Schiffsagentur Mittelelbe in Wittenberg, Tel. 03491/667655.