eingetragen am: 01.07.2018 um 07:19 Uhr, Alter: 80 Tag(e)

Aufbruch an der Elbe

Ein Jahr nach Verabschiedung des Gesamtkonzeptes Elbe diskutierten auf dem Elbschifffahrtstag in Wittenberge mehr als 120 Teilnehmer den aktuellen Stand bei der Umsetzung und über Chancen im gesamten Stromgebiet

Binnenschifffahrt – Zf B – 2018 – Nr. 6

Von Christian Knoll

Rund 120 Teilnehmer aus Wirtschaft und Verwaltung, aus dem Bundesverkehrsministerium (BMVI), der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (GDWS), von Reedereien und Häfen haben auf dem diesjährigen Elbschifffahrtstag in Wittenberge beraten, wie das Gesamtkonzept Elbe (GKE) zügig umgesetzt werden kann. Besonders in der Diskussion standen die Verbesserung der Schifffahrtsbedingungen in den Erosionsstrecken an der mittleren Elbe und der dringend erforderliche Ausbau der sogenannten Reststrecke zwischen Dömitz und Hitzacker, die dem Elbeverlauf in diesen Strecken eine Tauchtiefenverbesserung von mindestens 20cm bei Niedrigwasser bringen könnten. Brandenburgs Verkehrsstaatssekretärin Ines Jesse betonte in ihrem Grußwort, dass die wichtigsten industriellen 

Wachstumskerne ihres Bundeslandes an schiffbaren Wasserstraßen lägen. Obwohl das Land Brandenburg am Elbeverlauf sowohl im Süden als auch im Norden nur jeweils ein kleines Uferstück der Elbe besitze, sei die Produktion der Unternehmen in diesen Wachstumskernen, aber auch in der Landwirtschaft, in hohem Maße exportorientiert. Die Firmen wollten ihre Güter, wenn möglich, über den Wasserweg verschiffen, weil das der effektivste und umweltfreundlichste Weg sei. Mittlerweile sei bereits ein Jahr vergangen, seit der Bundestag das Gesamtkonzept ratifiziert habe, viel Wind in den Segeln habe man aber noch nicht verspürt. Auch Wittenberges Bürgermeister Oliver Hermann verdeutlichte, dass der neue Hafen Wittenberge seine Seehafen-Hinterlandverkehre von und nach Hamburg und die Komplettierung von Ganzzügen mit Containern bis nach Italien weitgehend ohne die Binnenschifffahrt machen müsse. Die Elbe biete zu selten Wassertiefen, die einen wirtschaftlichen Binnenschiffsverkehr ermöglichten. Auch die im Hafengebiet angesiedelte neue Industrie habe es aufgegeben, Güter auf dem Wasser ab dem Hafen Wittenberge zu transportieren. »Trotzdem ist unser ElbePort im Seehafen-Hinterlandverkehr eine wichtige Größe«, so Hermann. Er sammle aus der ganzen Prignitz bis hinauf nach Schwerin und aus der nördlichen Altmark Container der dort produzierenden und exportierenden Unternehmen ein und stelle sie in Ganzzügen zusammen, die dann nach Hamburg gingen. Gleichzeitig kämen Container per Bahn aus Hamburg, die wiederum auf Ganzzügen bis nach Südeuropa auf den Weg gebracht würden. Im Hafen seien gegenüber dem Jahr 2016 rund 32% mehr Güter verladen worden. »Darauf sind wir stolz, übersehen aber nicht, dass es mit einer fahrenden Binnenschifffahrt sicher noch mehr geworden wären.«

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