eingetragen am: 03.09.2018 um 16:19 Uhr, Alter: 17 Tag(e)

Erfolgreiche Werft an der Saale

Früher gab es elf Schiffbauunternehmen und drei -schmieden an der Saale, heute existiert nur noch die Werft von Bernd Fischer in Mukrena

Bi - Schi 8 -2018   Von Christian Knoll

 

Bernd Fischer hat seinen beruflichen Weg auf seiner heutigen Schiffswerft gegenüber von Alsleben begonnen. Er ist gelernter Schiffbauer, hat Schiffbau studiert und seinen Dipl.-Ing. (FH) gemacht. Seither hat er hier alle Höhen und Tiefen kennengelernt. Tiefen vor allem deshalb, weil die schifffahrtsverwalterischen Obrigkeiten nach dem Ende der DDR die Saale als Schifffahrtsweg zwar noch erhalten wollen, mehr aber auch nicht. Als vorletzte hatte die Roth mannwerft in Nienburg den Übergang in die Marktwirtschaft nicht überstanden. Auch die Rückprivatisierung der ehemaligen Grieseler-Werft in Mukrena war nicht lange erfolgreich. Ihr ehemaliger Technischer Leiter Bernd Fischer, der vom Lehrling bis zur Insolvenz das Leben der Werft geteilt hatte, kaufte sie anschließend, weil er der Überzeugung war, dass man sie durchaus erhalten könnte, wenn man für genügend Arbeit sorgt. Er fing 1996 mit zwei Schiffbauern an, drei Jahre später beschäftigte er bereits acht, jetzt sind es zehn. Fischer hat sich einen Namen in Sachen Qualität und Termintreue gemacht. Er bietet in erster Linie Schiffsreparaturen aller Art und Reparaturen an Antriebsmaschinen und –anlagen sowie Landrevisionen an. Auch Neubauten sind im Programm. Seine Hauptkunden sind Wasserstraßen- und Schifffahrtsämter und andere Behörden, die mit der Schifffahrt zu tun haben, zum Teil auch die Fahrgastschifffahrt an Saale und Elbe oder solche Gemeinden an den beiden Flüssen, die Fähren besitzen sowie die Touristik- und Freizeitschifffahrt der Region. Da die Saale über die Sommermonate meistens wegen Niedrigwassers nicht schiffbar ist, akquiriert er über den Winter die Aufträge für das nächste Frühjahr und den Sommer, und im Sommer für den 

nächsten Herbst und den anschließenden Winter. Da er Qualität liefert und Pünktlichkeit garantiert, kommen zufriedene Kunden wieder, weil sie sich auf Fischer verlassen können. Er übernimmt auch Arbeiten, die nicht direkt mit Schiffen zu tun haben. So werden Fahnenmasten gebaut, Geländer für Steganlagen von Fähren und Schleusen oder Schweißarbeiten an Schleusen und Wehren ausgeführt, wie gerade gegenwärtig an der Schleuse Alsleben, die sich in Reparatur befindet. Die meisten Kunden sind Stammkunden geworden, zum Beispiel Peter Grunewald mit seinem Kreuzfahrtschiff »Sans Souci«, das über jeden Winter an der Fischer-Werft liegt und dort auf seine nächste Saison vorbereitet, und falls nötig, instandgesetzt wird. Die Schiffswerft Bernd Fischer war bis vor kurzem keine GmbH. Fischer, ist noch ihr Eigner und haftet mit seinem und dem Vermögen seiner Familie. Ehefrau Brigitte macht die Buchhaltung und Tochter Karina ist zuständig für Marketing und Kundenbetreuung. Sohn Thomas ist Meister für Schiffbau und ist als solcher auch an der Werft tätig. So ist die ganze Familie ins Unternehmen integriert. Karina Fischer qualifizierte sich auch für die Zukunft als staatlich anerkannte Technikerin, Fachrichtung Maschinenbautechnik, und als Betriebswirtin des Handwerks. Damit bereitete sie sich darauf vor, das Unternehmen später einmal mit ihrem Bruder übernehmen zu können. Seit dem diesjährigen Elbschifffahrtstag leitet sie auch den Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt (VHdS), der sich durch das Ausscheiden des Hafens Halle aus dem Hafengeschäft und seiner wichtigsten Sponsoren aus Bernburg und Alsleben verkleinert hat. Ihr ist es gelungen, den VHdS in die Elbe-Allianz zu integrieren, womit der Verein als Sprachrohr der Saaleschifffahrt und des SaaleBündnisses seine Stimme für die Ertüchtigung der Saale nicht verliert. Die Fischer-Werft besteht nun 22 Jahre. Um auch die Zukunft der Kinder abzusichern, wurde nun eine GmbH gegründet, in der Karina und Thomas gleichberechtigte Geschäftsführer sein werden, wenn Bernd Fischer und seine Frau in den Ruhestand gehen. Gegründet wurde die Werft 1856 von Schiffbaumeister Heinrich Schütze (laut Patent der Kgl. Regierung zu Merseburg), später übernommen von August Jersch, 1913 von Karl Grieseler, später Inhaber Ernst Vopel als Schwiegersohn von Karl Grieseler. Vopels Tochter Anni Kloß privatisierte die Werft 1991 unter dem alten Namen Karl Grieseler, konnte aber 1995 die Insolvenz nicht verhindern. Höhepunkte der Geschichte der ehemaligen Grieseler Werft sind: zwischen 1925 und 1939 der Bau von Saalemaß-Gütermotorschiffen, um 1935 der Bau von Sektionen für ein 1.000-t-Schiff, die auf der GrieselerWerft im Magdeburger Zollhafen montiert wurden. 1970-77 erfolgte der Serienbau von Binnenfahrgastschiffen, deren Rümpfe noch genietet wurden, sieben davon gingen nach Ostberlin als sogenannte Stadtbezirksklasse. Einige von ihnen fahren noch heute.

Bi -Schi 8  2018