Wussten Sie…?
  1. Die Entwicklung der Binnenschifffahrt auf der Elbe
  2. Der Domfelsen
  3. Vom Urstromtal zur Kulturlandschaft
  4. Begriffe und Definitionen aus dem Wasserbau
  5. Buhnen und Streichlinien
  6. Buhnenbau
  7. Mittel zur Regelung eines Flusslaufes
  8. Staustufen
  9. Wieviel Schiff verträgt die Elbe und Saale?
  10. Wasserstrassen – Ein Malheft für Kinder
  11. Der Magdeburger Pegel
  12. Der Verkehrsweg Elbe
  13. Häufig gestellte Fragen
  14. Saale Seiten Kanal Tornitz (SSK Tornitz)

Rolf Lack 26.02.2009

Mittel zur Regelung eines Flusslaufes

Durch die Festlegungen im Wiener Friedensvertrag von 1815 das Gewässerbett „fest und unverrückbar“ zu gestalten, waren Regelungen am Ufer und auf der Sohle erforderlich.
Diese Forderung findet man heute im Wasserhaushaltsgesetz und den jeweiligen Landeswassergesetzen wieder: „Der langjährige Zustand“ ist zu erhalten, d. h. der Fluss muss wieder in sein Niedrigwasserbett zurückkehren.

Diese Forderung kann u. a. durch Längs- und Querbauwerke im Gewässerbett erfolgen.

Längsbauwerke

  • Uferdeckwerke: Pflasterung unmittelbar an der Uferböschung
  • Leitwerke: Damm parallel zur Uferböschung im Gewässer (Material: Sandsäcke, Steine)

Querbauwerke

  • Buhnen: wie Finger quer zur Fließrichtung vom Ufer in das Gewässer hineinragend (Material: Sandsäcke, Steine)
  • Sohlschwellen: Querdämme auf der Sohle zur Festlegung der Sohle (Material: Sandsäcke, Steine)

Mit Hilfe dieser Wasserbauwerke nimmt man Einfluss auf eine bestimmte Wassertiefe in Abhängigkeit vom Abflusswert Q und Wasserstand W. Dabei sind die flussspezifischen Werte zu berücksichtigen. Für die Elbe ist durch die Längs- und Querbauwerke ein Regulierungswasserstand RW von 1989 zugrunde gelegt und überarbeitet worden. Danach ergibt sich, dass nach Reparatur der Längs- und Querbauwerke und lokaler Sandbaggerungen die Wassertiefe von 1,60 m an nur 20 Tagen im Jahr unterschritten wird. D. h. an 345 Tagen im Jahr ist eine Wassertiefe von 1,60m und mehr vorhanden. Aus der Häufigkeitstabelle lässt sich nun ablesen, welcher Wasserstand wie häufig auftritt. Für die Containerschifffahrt sind schon 1,40 m Wassertiefe ausreichend.

Die Saale und Unstrut sind seit vielen Hundert Jahren durch Mühlenwehre staugeregelt. Im 14. Jahrhundert wurden die ersten Holzschleusen in Calbe und Alsleben gebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der „Südflügel des Mittellandkanals“ für ein Binnenschiff mit einer Tragfähigkeit von 1000 t konzipiert und gebaut. Bedingt durch den 2. Weltkrieg blieb diese Maßnahme unvollendet. Die Schleusen (Länge 100 m) wurden nur in Wettin, Rothenburg, Alsleben, Bernburg und Calbe fertig gestellt. Die geplanten Schleusen in Halle, Merseburg und Kl. Rosenburg kamen nicht mehr zur Ausführung.

Heute ist als Ersatz für die Schleuse Kl. Rosenburg ein Kanal mit einer Schleuse bei Tornitz in der Planung. Zwischen Calbe und Saalemündung in die Elbe (20 km) wird kein Wehr gebaut. Der geplante Seitenkanal bei Tornitz ist so bemessen, dass bei Niedrigwasser (GLW) die Wassertiefe in der Elbe mit der Wassertiefe im Kanal korrespondiert.

Für Bauplanungen in den Flussgebieten ist der „langjährige Zustand“, d. h. Rückkehr des Flusslaufes in sein Niedrigwasserbett, eine wichtige Ausgangsgröße. Brückenpfeiler im Vorland (Überschwemmungsgebiet) werden anders bemessen als im Strombereich. Leitungskreuzungen (Düker), Hafenanlagen, Hochwasserschutzanlagen (Deiche), Klärwerksausläufe u. a. Bauwerke würden bei einer Verlagerung des Gewässerbettes ihre Funktion, bzw. ihre Sicherheit einbüßen. Auch für Eigentumsfragen ist dies eine wichtige Voraussetzung.