Wussten Sie…?
  1. Die Entwicklung der Binnenschifffahrt auf der Elbe
  2. Der Domfelsen
  3. Vom Urstromtal zur Kulturlandschaft
  4. Begriffe und Definitionen aus dem Wasserbau
  5. Buhnen und Streichlinien
  6. Buhnenbau
  7. Mittel zur Regelung eines Flusslaufes
  8. Staustufen
  9. Wieviel Schiff verträgt die Elbe und Saale?
  10. Wasserstrassen – Ein Malheft für Kinder
  11. Der Magdeburger Pegel
  12. Der Verkehrsweg Elbe
  13. Häufig gestellte Fragen
  14. Saale Seiten Kanal Tornitz (SSK Tornitz)

Rolf Lack 26.02.2009

Wieviel Schiff verträgt die Elbe und Saale?

Um die Randbedingungen zu verstehen, wie groß die Schiffe sein können, die auf der Elbe und Saale fahren können, bzw. dürfen, sind noch folgende Begriffe zu erläutern:

GLW 89*

Der GLW (gleichmäßiger Wasserstand) ist ein Bezugswasserstand für eine Mindestwassertiefe, die einen wirtschaftlichen Schiffsverkehr noch zulässt. Gemessen wird er vor Ort durch ein Wasserspiegelnivellement zu einer Jahreszeit, in der keine nennenswerten Änderungen des Abflusses durch Regenfälle auftreten, d.h. eine gleichmäßige Wassermenge Q von Decin bis Hamburg fließt.

Dieser GLW 89* soll durch Unterhaltungsmaßnahmen an den Engstellen für die Schifffahrt eine durchgehende Fahrrinne zwischen Geesthacht und Dresden von mindestens 1,60 m und zwischen Dresden und Schöna von 1,50 m gewährleisten. Der GLW 89* ist der Bezugswasserstand der Elbe, der im Mittel von sieben trockenen und sieben nassen Jahren zwischen 1973 und1986 an durchschnittlich 20 eisfreien Tagen erreicht oder unterschritten wurde. Die Fahrrinne beträgt unter diesen Voraussetzungen 50 m Breite, außer in der Stadtstrecke Magdeburg (35 m).

Der Wasserstand des GLW 89* entspricht etwa dem MNW an den jeweiligen Pegeln (Pegel Strombrücke MNW=121cm der Jahresreihe 1991/2000).

Bei einem Wasserspiegelnivellement werden unmittelbar am Ufer Holzpflöcke eingeschlagen und der Wasserstand durch einen Nagel markiert. Später werden die Höhen der Nägel eingemessen. Dies erfolgt auf der gesamten Strecke zwischen Schöna und Geesthacht. Um das Abflussgeschehen eines Gewässers zu erfassen, werden bei verschiedenen Abflüssen Q derartige Messungen gemacht. Gleichzeitig werden Wassergeschwindigkeits- und mengenmessungen an ausgewählten Stellen durchgeführt.

Betriebswasserstand

Ein wichtiger Punkt ist die sichere Fahrt der Schiffe. Die Durchfahrtshöhe unter Brücken und der Betrieb der Schleusen sind auf einen Wasserstand bezogen. Ist der Wasserstand zu hoch oder zu niedrig wird die Schifffahrt eingestellt.

An nicht staugeregelten Flüssen war der höchste schiffbare Wasserstand (HSW) die Kenngröße, bei der beladene Schiffe (z. B. mit Containern) unter den Brücken durchpassten. Dieser Zustand ist gegeben, wenn der Wasserstand im Fluss wegen starker Niederschläge so ansteigt, dass er sein Gewässerbett verlässt und ausufert. Das gilt auch für die staugeregelte Saale. Bei staugeregelten Flüssen wird bei zu hohen oder zu niedrigen Wasserständen der Schleusenbetrieb eingestellt. Für die obere Haltung ist der Betriebswasserstand oben (BWo), für die untere Haltung der Betriebswasserstand (BWu) maßgebend. Heute ist der Begriff Betriebswasserstand gebräuchlich.

Schifffahrt

Aus den v. g. Kenngrößen ergeben sich die geometrischen Randbedingungen für die Schifffahrt auf der Elbe und Saale nach Bau des Saale-Seitenkanals bei Tornitz:

  • Fahrrinnentiefe mindestens 1,60 m und mehr an 345 Tagen
  • Fahrrinnenbreite Elbe 50 m
  • Fahrrinnenbreite Saale bedingt durch Schleusen 12 m
  • Durchfahrtshöhen unter Brücken betragen 7 m über BW 10
    (BW 10 ist der Betriebswasserstand der an 10 Tagen im mittleren Jahr erreicht oder unterschritten wird. Bei 6 Elbebrücken werden diese Werte geringfügig unterschritten. Damit ist auf der Elbe ein 3-lagiger Containerverkehr möglich.)

Die Binnenschifffahrtsstraßenordnung (BischiStrO) regelt aufgrund der geometrischen und fahrdynamischen Gegebenheiten die zulässigen Schiffsabmessungen. Für die Elbe sind die zulässigen Abmessungen im Kapitel 17.02 und 17.03 für bestimmte Strecken geregelt. Beispielhaft sind hier nur zwei Strecken für Schubverbände genannt:

Elbe(Talfahrt) km 0,0 bis 607,50 137 m Länge 11,45 m Breite
km 344,5o bis 454,80 145 m Länge 22,90 m Breite
Elbe(Bergfahrt) km 607,50 bis 0,00 137 m Länge 11,45 m Breite
km 607,50 bis 454,80 190 m Länge 24,00 m Breite

Für die Saale sind die Schleusen bis Wettin (Hafen Halle) maßgebend. Die Schleusenkammer hat eine Breite von 20 m, die Torbreite allerdings nur 12 m. Die größere Kammerbreite war zur Zeit der Schleppschifffahrt sinnvoll, da der geschleppte Kahn in der Schleuse längsseits genommen wurde und so mitgeschleust wurde. Die zulässigen Abmessungen sind in der BischiStrO veröffentlicht.